Waldkindergarten

Waldwichtel im Wald_2010Die moderne Lebenssituationen unserer Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren ist vielfach geprägt von Reizüberflutung, Bewegungsmangel, funktionsbestimmtem Spielzeug und gelenktem Freizeitangebot. Wald- und Naturkindergärten greifen diese Umstände auf, indem sie ihnen erlebnis- und beschäftigungsspezifische Anreize wenn nicht entgegen, so doch zur Seite stellen. Nicht die materielle Ausstattung eines Kindergartens darf das Maß aller Dinge sein. Die Qualität der Kinderbetreuung muss durch Wohlbefinden und Begeisterung der Kinder und ihrer Eltern erkennbar werden!

Eine geeignete Umgebung zur Umsetzung der pädagogischen Ziele wird durch eine fruchtbare Beziehung zwischen Erzieherinnen und betreuten Kindern gelebt. Die optimierte Zusammenarbeit des Erzieherteams untereinander und im intensiven Kontakt mit Eltern und Träger ermöglicht eine breit abgestützte Umsetzung naturpädagogischer Konzepte zum Wohle der betreuten Kinder.

Durch Wald- und Naturkindergärten kann sich die körperliche, geistige, seelische und soziale Entwicklung der Kinder durch ganzheitliche Erfahrungen aus erster Hand ideal entfalten. Eine derartig verstärkte Vermittlung von Lebenskompetenz ergibt auch einen gesellschaftlichen Nutzen.

Unserer Meinung nach müssen pädagogische Konzeptionen Platz zum „reifen“ haben, um sich immer wieder neuen Gegebenheiten anpassen zu können. So gesehen ist dieses Papier nichts starres, unveränderliches, sondern die Basis für die Umsetzung unseres Waldkindergartenprojektes.

Was ist ein Waldkindergarten?

Die primäre pädagogische Kraft in einem Waldkindergarten ist die Natur selbst. Diese bietet viele Möglichkeiten für echte, unmittelbare Lebenserfahrungen und bietet optimale Anregungen für die Entwicklung einer gesunden Identität.

Die Grundidee eines Waldkindergartens besteht darin, dass eine Gruppe von ca. 15 Kinder mit mindestens zwei Betreuungspersonen täglich in den Wald, bzw. auf eine Wiese (Grünfläche) in der freien Natur gehen und das unabhängig vom Wetter. Dort findet die pädagogische Arbeit statt, wie sie sonst in normalen Kindergärten geleistet wird. Es gibt keine normalen Räumlichkeiten und kein handelsübliches Spielzeug. Gespielt wird mit allem, was der Wald dazu hergibt.

Geschichte und Definition

In anderen Kulturen ist es seit langem üblich, kleinere Kinder zu Gruppen zusammenzufassen und draußen in der freien Natur zu betreuen. Dieses Prinzip griff vor ca. 45 Jahren eine nachbarliche Elterninitiative in Sollerod, Dänemark, auf. Diese organisierte für ihre eigenen Kinder tägliche Spaziergänge in den Wald. Da Kindergartenplätze rar waren, schlossen sich immer mehr Eltern an und es entstand der erste “Skovbomehaven” (Waldkindergarten) der westlichen Welt. Heute gibt es in Dänemark über 70 Natur- und Waldkindergärten.

Unabhängig davon und ohne Kenntnis von den bereits in Dänemark bestehenden Skovbomehaven wurde 1968 ein Waldkindergarten in Wiesbaden angemeldet und amtlich genehmigt. Die Schauspielerin Ursula Sure schuf sich einen Halbtagsarbeitsplatz als Kinderbetreuerin, indem sie den ganzen Vormittag mit den Kindern in den Wald hinausging. Dieser erste deutsche Waldkindergarten – von Frau Sure dreißig Jahre lang geführt -, wies bereits alle Kriterien eines typischen Waldkindergartens auf. Die Privatinitiative informierte gelegentlich interessierte Besucher. Als dann die Existenz der dänischen Waldkindergärten bekannt wurde, konnte er sich der Kultusminister-Konferenz vorstellen.

1991 entdeckten die angehenden Erzieherinnen Kerstin Jebsen und Petra Jäger in einer Fachzeitschrift das Konzept der dänischen Waldkindergärten. Sie nahmen Kontakt mit Wiesbaden auf, hospitierten in Dänemark, erarbeiteten ein Konzept und gründeten so 1993 den Waldkindergarten Flensburg.

Ab der zweiten Hälfte der neunziger Jahre fand die Waldkindergartenidee in Deutschland immer größeren Zulauf. Um die Jahrtausendwende gab es in ganz Deutschland schließlich über 200 Wald- und Naturkindergärten, wobei die Zahl seitdem weiterhin monatlich zunimmt.

Die Natur als Wirkungsstätte

Die pädagogischen Inhalte von Waldkindergärten wollen von den (Ur-) Bedürfnissen der Kinder ausgehen. Diesen Bedürfnissen stehen aktuelle gesellschaftlich bedingte Mangelsituationen gegenüber. Bevor also auf die besondere Dimension der Waldpädagogik eingegangen werden kann, muss die Lebenssituation, in der viele Kinder aufwachsen, genauer betrachtet werden. Auf dieser Grundlage kann das Konzept “Waldkindergarten” mögliche Antworten formulieren.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen

Heutzutage findet die Kindheit meist in geschlossenen, begrenzten Räumen statt. Kinder treffen sich nicht mehr spontan draußen zum spielen, sondern müssen sich meist verabreden. Organisierte Erfahrungen wie Musikschule oder Sportstunden erschweren spontane Begegnungen. Diese „verplante“ Umgebung erfordert von Kindern eine Anpassung an die Umwelt und sie können nicht mehr frei agieren. Eigene Impulse ordnen sich bereits in der Kindheitsphase Fremdsteuerungen unter.

So entstehen Defizite, welche sich bei immer mehr Kindern bemerkbar machen. Die professionelle Pädagogik versucht oft im Nachhinein durch gezielte Angebote wie Psychomotorik, Bewegungs- und Ergotherapie, Motopädagogik und weiteres, diese Defizite abzubauen.

Der zeitgemäße naturpädagogische Ansatz

Hier ist der Ansatzpunkt unseres Waldkindergartens. Wir setzen auf das freie Spielen in der Natur, um die Lebenskompetenzen unserer Kinder zu stärken. Lebenskompetenzen stärken bedeutet, Selbstvertrauen, Selbstbehauptung, Selbstkompetenz, Kommunikationsfähigkeit und zwischenmenschliche Beziehungen, Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz, Widerstand gegenüber Gruppendruck, Umgang mit Gefühlen, Stress und Angst, kritisches Denken, Problemlösefähigkeiten sowie Entscheidungs- und Handlungskompetenz zu fördern (WHO-Rundschreiben, 1994). Die Stärkung von Lebenskompetenzen ist umso wirksamer, je früher sie im Kindesalter beginnt.

Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Naturerfahrung mit ihren ganzheitlichen Erfahrungsmöglichkeiten. Die Kinder haben mehr Raum, stoßen nicht so leicht an Grenzen bzw. machen in ganz anderer, positiver Weise ihre Grenzerfahrungen.

Dabei spüren sie sich selbst und lernen, Dinge auszuhalten. Die Bewegung, die sinnliche Erfahrung der Natur und die Selbsterfahrung ihres Körpers stehen im Vordergrund. Gleichzeitig werden die Kinder dabei begleitet, die Natur als etwas Schönes, Anregendes zu entdecken, das sie mit allen Sinnen lustvoll erleben können.

Hierzu zitieren wir aus der Präambel zur Satzung des Landesverbands Wald- und Naturkindergärten in Bayern e.V.:

„In unmittelbarer Begegnung mit der Natur fördern Wald- und Naturkindergärten auf einzigartige, nachhaltige Weise die Entwicklung von Kindern. Ehrfurcht vor dem Leben, eine lebendige Beziehung zu Tieren und Pflanzen und der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur werden für die Kinder zum selbstverständlichen, emotionalen und geistigen Besitz.

Der Aufenthalt im Freien unterstützt die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder. Primärerfahrungen aus erster Hand fördern das Körperbewusstsein und verhelfen der Entfaltung vielfältiger Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeiten.

Im gemeinsamen Spiel mit natürlichen Materialien entwickeln die Kinder in besonderer Weise Kommunikationsfähigkeiten, Hilfsbereitschaft, Ausdauer, Geduld, Phantasie und Kreativität.

So wollen Wald- und Naturkindergärten dazu beitragen, dass Kinder gänzlich Kind sein und gerade dadurch zu verantwortungsbewussten, gemeinschaftsfähigen, selbstbewussten und selbständigen Mitgliedern der Gesellschaft heranwachsen können.“

Der Tagesablauf

Was Struktur und Tagesablauf betrifft, werden bewährte Muster übernommen: Morgenkreis – Freispiel – Brotzeit – Angebot oder Freispiel – Schlusskreis. Der Tag beginnt mit der Begrüßung (einem Lied, Gedicht, Spruch oder in Stille) im Morgenkreis. Der gemeinsame Beginn ist wichtig, um sich gegenseitig wahr zu nehmen und die Gelegenheit zu haben, Bedürfnisse und Ideen zu besprechen.

Es folgt das zeitlich begrenzte Freispiel. Das Spiel ist für das Kind die ureigene Ausdrucks-, Erfahrungs- und Lernform. In einem großzügig abgesteckten Rahmen (in Hörweite und/oder Sichtweite) bestimmt das Kind den Ort, den Spielpartner und das Spielmaterial selbst. Die Erzieherinnen begleiten die Kinder dabei (”situativ”) und stehen für Fragen zur Verfügung.

Nach dem allgemeinen Händewaschen folgt die gemeinsame Brotzeit. Sie bietet Gelegenheit zur Ruhe, zum Gespräch und zum Zuhören. Hier kommt besonders das Zusammengehörigkeitsgefühl zum Ausdruck.

Im darauf folgenden Angebot können zusammen sachbezogene Aktionen durchgeführt werden, in deren Zentrum die Ideen und Anregungen der Kinder stehen.

Mit einem gemeinsamen Lied, einem Vers oder einfach in gemeinsam erlebter Stille wird der Abschlusskreis gestaltet. Dies ist der Platz, sich für die Erlebnisse eines schönen Tages, die einem geschenkt wurden, zu bedanken und sich zu verabschieden.

Die Grundausrüstung

Die wichtigste Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf ist eine geeignete, bequeme Kleidung: Jede Jahreszeit erfordert eine spezielle Ausrüstung.

Außerdem sind die Kinder ausgerüstet mit einem Rucksack, einer kräftigen Brotzeit und einer Tasse oder Trinkflasche für Saft oder warmen Tee.

In einem Bauwagen stehen in der Regel Wasserkanister und Lava-Erde (ein biologisch abbaubarer Seifenersatz), die Getränke, Klopapier und eine kleine Schaufel und Werkzeuge zur Verfügung.

Ergänzt wird das Ganze durch die Zusatzausrüstung der Erzieherinnen:

  • Handtuch und Ersatzkleidung
  • Lupe, Feldstecher, Fotoapparat
  • Seile, Werkzeug, Taschenmesser
  • Bastel- und Malutensilien, Unterlagen
  • Bestimmungsbücher, Bilderbücher
  • sonstiges Arbeitsmaterial
  • Pinzette
  • Tagebuch für Berichte und Statistik
  • Erste-Hilfe-Ausrüstung sowie ein Handy

Die Ziele der pädagogischen Arbeit

Das kindliche Spiel

Kinder kommen mit der Gabe des Spielens zur Weit. Das Spiel hat als Urbedürfnis einen sehr hohen Stellenwert in der Entwicklung des Menschen. Spiel bedeutet Lebensaneignung. Kinder, die viel und ausgiebig spielen, werden in ihrer Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Wahrnehmungs- und Beobachtungsfähigkeit, Belastbarkeit, Sprechfertigkeit und Intelligenz gefördert.

Das Kindergartenkind benötigt besonders das freie Spiel. Hier kann es üben, an seine Grenzen zu gehen, im selbst gewählten Rollenspiel Verantwortung zu übernehmen, Spannungen auszugleichen, Konflikte auszutragen, Geduld mit anderen zu haben.

Der beste Raum dafür ist die Natur. Sie ist der Ursprung allen Lebens und mit den Gegebenheiten der Natur wird der Bezug dazu hergestellt. Erfahrungen werden aus erster Hand und mit allen Sinnen gemacht. Das Spiel in dieser Umgebung ist sowohl zweckfrei, als auch zweckgebunden. Beim Spiel mit Naturmaterialien sind keine Grenzen gesetzt -, sie finden sich von alleine.

Ganzheitliches Lernen

Der Mensch, insbesondere das Kind, nimmt die Natur als etwas Ganzheitliches, zu ihm Gehörendes wahr, empfindet sie mit seinem ganzen Körper, seiner ganzen Seele und seinem ganzen Geist, also als Einheit. Dieses Eingebundensein in die Natur und das Erleben der wechselseitigen Abhängigkeiten bewirken eine ganzheitliche Harmonisierung von Körper-Geist-Seele, Denken-Fühlen-Handeln. Kinder lernen durch sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen. Sie müssen sich bewegen und ausprobieren können, um sich selbst und ihre Umwelt im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. Das Erleben mit allen Sinnen ist anregender, anschaulicher und nachhaltiger. Das Spielen ohne vorgefertigtes Spielzeug bietet ihnen optimale Entwicklungsmöglichkeiten.

Gesundheitserziehung

In unserem Waldkindergarten wird der natürliche Bewegungsdrang der Kinder ungehindert ausgelebt. Jedes Kind wählt freiwillig und seinem Entwicklungsstand entsprechend die Schwierigkeit seines Bewegungsspieles. Es hat dazu genügend Zeit und kann Hilfe in Anspruch nehmen. Rennen, springen, hüpfen, rollen, klettern, schaukeln machen dann besonders Spaß. Die zunehmende Körperbeherrschung (Koordination, Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewichtssinn) macht es immer sicherer.

Hat das Kind genügend Raum, seine Grobmotorik zu entwickeln, wird es schließlich auch im Wald seine feinmotorischen Fähigkeiten spielerisch verbessern können. In Lebensfreude “Wind und Wetter” ausgesetzt zu sein, stärkt zudem aus medizinischer Sicht das Immunsystem.

In der Bewegung trägt das Kind auch seine Gefühle (Wut, Freude, Spannung, Ermüdung) nach außen. Es hat so die Möglichkeit, diese zu verarbeiten. Von unschätzbarem Wert ist auf der anderen Seite das Erleben der Stille im Wald. Es führt zu Ruhe, Konzentration und innerer Stabilität, macht sensibel für feinste Geräusche und Vorgänge sowohl in der Natur, als auch im eigenen Körper.

Bewegung macht klug

Im Kindergartenalter ist das Gehirn für Wahrnehmungseinwirkungen besonders empfänglich. Die Neugierde ist groß, das Gehirn ist „erfahrungshungrig“. Dennoch findet im Waldkindergarten Wissensvermittlung im herkömmlichen Sinne nur am Rande – entsprechend dem Interesse der Kinder – statt. An Stelle von Sekundärerfahrungen in von Erwachsenen vorstrukturierten Räumen oder Reizüberflutung durch den Einfluss zweidimensionaler Medien treten Primärerfahrungen in der Natur. Dadurch werden in den ersten, wichtig Lebensjahren sämtliche Sinne ideal stimuliert, wodurch sich das Gehirn entwickelt und eine Struktur bildet, die Wahrnehmungen verarbeiten kann. Je vielfältiger nun die Sinnesanreize, desto mehr Schaltstellen(Synapsen) entstehen.

Sinneswahrnehmung

Die Natur fördert primäre Sinneserfahrungen der Kinder.

Die differenzierte Wahrnehmung des Auges wird deutlich, wenn z. B. im Frühjahr allmählich tauender Schnee, keimendes Leben, eine Vielzahl von verschiedenen Grüntönen und Blattformen zu erkennen sind.

Das Riechen der verschiedenen Kräuter, der frischen Walderde, des Baumharzes gehört genauso dazu wie der Tastsinn. Der weiche Boden, die raue Baumrinde, glatte Steine, aber auch Wind, Kälte, Nässe und die Wärme der Sonnenstrahlen werden gespürt, fallende Regentropfen und schmelzende Schneeflocken auf der Hand gefühlt.

Ohne Lärmbelästigung wie in geschlossenen Räumen erleben Kinder auch wieder Stille. Die von Rauschen, Plätschern, Surren und Zwitschern unterbrochene Stille ist ausgesprochen wertvoll für die allgemeine Differenzierung des Hörens, das Finden von Stabilität durch innere Ruhe und für die Förderung der Konzentrationsfähigkeit.

Soziales Lernen

Um Kontakt aufzunehmen und zu kommunizieren ist die Natur aufgrund ihrer vielfältigen Strukturen, Nischen, Höhlen und Verstecken die ideale Umgebung. Beim gemeinsamen Bau z.B. eines Tannenhauses können die Kinder gemeinsam planen und ausführen, sich gegenseitig helfen und Rücksicht nehmen. Dadurch wird die Hilfsbereitschaft und Geduld miteinander sowie die emotionale Nähe jedes einzelnen Kindes zur gesamten Gruppe stark gefordert. Teamfähigkeit wird entwickelt.

In der relativ kleinen Waldkindergartengruppe ist es den Kindern möglich, ein intensives Beziehungsfeld zu Kindern und Erwachsenen aufzubauen. Daraus entsteht Vertrauen – in sich, in andere und in die Gruppe (vom “Ich” zum “Du” zum “Wir”). Dies führt zu einer verbesserten Gruppenintegration, intensiveren Freundschaften und fördert die Konfliktfähigkeit und Konfliktbewältigung.

Umwelt und Naturverständnis

Im Vergleich zu früheren Jahren fehlt den Kindern immer mehr ein direkter Bezug zur Natur und zu einer natürlichen Umwelt. Es hat sich aber gezeigt, dass die Natur vielseitige, interessante und erlebnisreiche Orte bietet, in denen das Kind spielerische primäre Erfahrungen sammeln kann. Das Kind hat die Möglichkeit mit Kopf, Herz und Hand die Natur wahrzunehmen und sich als Teil des Ganzen zu verstehen.

Durch das tägliche direkte Erleben gewinnen die Kinder grundsätzliche Einsichten in Sinn- und Sachzusammenhänge der natürlichen Umwelt und in elementare biologische Gesetzmäßigkeiten. Rhythmus und Wirkung der Jahreszeiten werden ihnen vertraut.

Religiöse und ethische Werte

Durch die frühe Übernahme von Verantwortung realisieren die Kinder ihre direkte, aktive Verbindung mit dem Lebendigen. Auf die Begegnung des Werdens, Vergehens und Erwachens in der Natur können sie sich mit Achtung und Dankbarkeit einlassen. Eingebettet in diesen Rhythmus der Jahreszeiten bietet die Natur die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, bewusst zu genießen und die eigene Bescheidenheit als unscheinbarer Teil des Ganzen anzuerkennen. Dieser Bewusstseinsbildungsprozess ist Voraussetzung für das Handeln nach ethischen und moralischen Grundsätzen.

Die Wirkungskreise des Waldkindergartens

Grundvoraussetzung dafür, dass unser Waldkindergarten die familiäre Erziehung in geeigneter Weise unterstützt und ergänzt ist die Freiwilligkeit aller am Waldkindergarten Beteiligter.

Zuallererst sollen sich die Kinder wohl fühlen. Aber auch die Eltern, deren Kinder unseren Waldkindergarten besuchen, müssen die Betreuung ihrer Kinder nach dem geschilderten Konzept befürworten und unterstützen.

Die Beziehung zum Kind

Kinder sind empfänglich für alles, was ihnen begegnet und sie nehmen alles so an, wie es ihnen begegnet. Die Aufgabe des Erwachsenen ist, dies zu unterstützen: Er muss Kinder nicht mit Angeboten zum Spiel, zur Kreativität und zur Phantasie anregen. Dies sind bereits ihre Grundbedürfnisse bzw. ihre natürlichen Anlagen. Durch Angebote wird die Entwicklung dieser Bedürfnisse eher blockiert, die Spontaneität eingeschränkt. Zu viele Angebote, durch die der Erwachsene lenken will, wie er es für richtig hält, fordern das Kind nicht mehr, selbst die Initiative zu ergreifen und aktiv zu werden. Es konsumiert nur noch.

Das Erzieherinnenteam

Das Erzieherinnenteam soll stattdessen durch Kontinuität, Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen eine Atmosphäre schaffen, in der die Kindergartenkinder sich wohl fühlen. Dazu können Räume gestaltet werden, die kindgerechtes, vielfältiges und naturnahes Spiel ermöglichen. Vom Akteur zum Beobachter wechselnd begleitet der Erwachsene das Kind in seiner freien Entwicklung und in seinem Leben.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern

Die Zusammenarbeit mit den Eltern darf nicht auf materielle und organisatorische Aspekte reduziert sein. Manchmal, bei Krankheit und Ausfall einer Kraft, ist selbst im eigentlichen Kindergartenbetrieb die Mitarbeit von Eltern notwendig.

Ein regelmäßiger, konstruktiver Austausch über pädagogische Inhalte ist ein Muss.

Um informelle Kanäle weitgehend auszuschalten sind klare Strukturen und Aufgabenverteilungen hilfreich. Unverzichtbar ist diesbezüglich die Bildung eines Elternbeirats.

Träger

Der Träger ist der Verein „Allgäuer Waldwichtel e.V.“ mit Sitz in Buchenberg. Zu den Aufgaben des Trägers zählen die Begleitung der Umsetzung des Waldkindergarten-Konzeptes, das Einstellen und die Führung von Personal, die Finanzierung und der Aufbau von klaren Strukturen, bzw. geeigneten Aufgabenverteilungen.

Öffentlichkeitsarbeit

In der breiten Öffentlichkeit kann unser Waldkindergarten durch glaubwürdiges Auftreten Fuß fassen. Dazu gehören für uns nicht nur Engagement und Idealismus, sondern auch eine ansprechende Präsentation des Geleisteten.

Durch öffentliche Infoabende mit kompetenten Referenten, Infoständen und die Teilnahme an gemeindlichen Veranstaltungen stellen wir unseren Kindergarten in der Öffentlichkeit vor.

Quellenangaben

Das Bayerische Kindergartengesetz (BayKiG) vom 25. Juli 1972 (BayRS 2231-1-K, GVBI S. 297) in der Fassung vom 10. August 1982 (GVBI S. 682) mit seinen Durchführungsverordnungen (DV)

Die Bayerische Konzeption; Landesverband Wald- und Naturkindergärten in Bayern e.V.